Die 60 er

In der wunderschönen Rhön aufgewachsen, habe ich mich in meiner Kindheit vorwiegend mit Wald, Zündplättchenpistolen, Bandenspielen und ertrinkenden Vögeln nach dem Gewitter beschäftigt. Jede Jahreszeit, jedes Wetter und alles Neue waren wunderbar.

Die 70 er

Musik spielte eine immer größere Rolle. Von der Triola arbeitete ich mich über Flöte, Mundharmonika und Klavier zur Gitarre vor. Dieser bin ich bis zum heutigen Tage treu geblieben. Meine musikalischen Wurzeln sind soweit verzweigt, dass ich hier erst gar nicht anfange mit Aufzählen. Natürlich besuchte auch ich eine Schule mit so einem klangvollen Namen wie Polytechnische Oberschule Dermbach. Hier lernte ich neben einigen Mädels auch das Turnbeutel Nähen, die Technik der Gleichgewichtsbrechung und das Bedienen einer Destille kennen.


Die 80 er

In den 80ern fand ich, dass die 70er in vielen Bereichen besser waren und wartete auf die 90er. Außerdem gab es Reisen durch den Ostblock, bei denen ich Menschen kennen lernte, die ebenfalls warteten. Ich trug die Haare lang, kurz, gefärbt und gegelt mal mit Lederjacke, Turnschuhen, Parkas oder Batikhemden, alles um mir die zähe Zeit zu vertreiben. Ich wohnte in besetzten Häusern und betrank mich in Bauwägen. Ich sah mein erstes Bild von Dali und hörte meine erste Zappa Scheibe, ich laß On the road und wusste, dass der Ostblock mir nicht reichen wird.


Die 90 er

Danke Nirvana, Pearl Jam, Soundgarden, Gorbatschow, Havel, Indien, Mexiko, Marokko, Grün ist die Hoffnung und Lucy in the sky with diamonds für die Verlängerung meiner Jugend und die Erweiterung meines Geistes. Und Danke Kapitalismus, so bitter es klingen mag, für die Ermöglichung eines Abiturs und Studiums und die damit verbundenen Annehmlichkeiten.
Die Suche war zwar nicht abgeschlossen aber für das Gefundene lohnte es sich zu leben.
Neben die musikalische Leidenschaft gesellte sich zaghaft die Malerei und bildete nach und nach mit dieser eine untrennbare Einheit. Jetzt könnten die Tage hundert Stunden haben und würden nicht eine Sekunde langweilig werden.


Die Nuller

Nahtloser Übergang ohne massenweise Computerabstürze und Endzeitszenarios. Die Zeit der Freiheit scheint vorbei und Fremdworte wie Verantwortung drängen von allen Seiten ins Bewusstsein. Geldverdienen bleibt ein notwendiges Übel aber die in den 90er Jahren getroffenen Entscheidungen tragen in vielerlei Hinsicht Früchte:
So ist aus dem Duo Nicole und Timo mit unserem Sohn Onno ein phantastisches Trio geworden.
Das mit Freunden gekaufte ehemalige Altersheim in Lehmannsbrück wird für mich nach vielen Jahren des Umherwanderns Heimat und verändert sich unter unseren Händen in eine Insel aus Kunst, Kultur und Handwerk (hoffe ich).
Die Malerei wird nach ein paar Jahren Abstinenz immer wichtiger und jeden Morgen drängen neue Ideen danach umgesetzt zu werden.


Die 10 er

Sind zwar noch jung, aber mein in diesem Jahr endlich fertig gestelltes Atelier schafft die Vorraussetzung für eine
kreative Dekade – wartets ab.
Das neue Jahrzehnt war noch nicht alt, da erblickte unserer Tochter Frida Alma die Welt und aus dem Trio ist nun ein Quartett geworden